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Süchtig nach Glück – was im Gehirn passiert, wenn wir glücklich sind

Sie sind ein Junkie! Ja, genau Sie, die oder der Sie gerade in diesem Moment am Bildschirm sitzen und diesen Artikel lesen. Und das ist durchaus nicht respektlos gemeint. Denn wären Sie es nicht, wäre das ziemlich fatal. Genau genommen ist jeder Mensch süchtig. Unsere Droge heißt Glück und das ständige Streben danach, stellt sicher, dass wir in der Lage sind zu lernen. Unsere Lern- und damit auch unsere Überlebensfähigkeit hängt also ganz konkret mit unserer Sucht nach Glück zusammen.

Bild: © Christopher Weidlich/Corbis
© Christopher Weidlich/Corbis

Der Knackpunkt des Ganzen ist der menschliche Drang alles zu vergleichen. Wir bewerten Ereignisse, Menschen, Situationen, einfach alles, das sich in unserem unmittelbaren Lebensumkreis befindet. Wenn nun etwas passiert, das viel besser ist als ursprünglich erwartet, bringt das den Quell der Glückseligkeit zum Sprudeln.


Ein Blick in unseren Kopf


Detailliert erklärt: In diesem Moment wird besonders viel Dopamin im Gehirn produziert. Dieser Botenstoff macht sich dann schleunigst auf den Weg ins Frontalhirn, aber auch in den in den Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn. Das wiederum schaltet unser Belohnungszentrum ein. Denn die dortigen Neuronen produzieren durch das Dopamin opiumähnliche Stoffe – Endorphine – auch körpereigenes Opium genannt. Genau das ist es, was unsere Sucht befriedigt. Wir fühlen uns euphorisch und genießen ein Gefühl der Glückseligkeit.


Das Dopamin, welches ins Frontalhirn geflossen ist, führt zu einer gesteigerten Lernfähigkeit. Wir lernen also ganz konkret was uns gut tut, was uns glücklich macht. Genau dafür existiert das Belohnungszentrum in unserem Kopf. Das ist der Sinn des Ganzen.


Glückszentrum auf Entzug


Die Euphorie dauert allerdings nur kurze Zeit an, bevor das Dopamin wieder abgebaut oder zurück in die Zellen gepumpt wird. Das Glück muss dementsprechend ständig erneuert werden. Das Belohnungssystem in unserem Gehirn ist also andauernd auf Entzug und strebt danach unsere Sucht nach Glück zu stillen. Die erneute Befriedigung tritt dann ein wenn abermals unerwartet etwas Gutes passiert, das Belohnungszentrum dadurch aktiviert wird und sich der ganze Glücksvorgang von vorne abspielt.


Wir haben also ein System der Glückseligkeit im Kopf, ein lernfähiges System, das sicherstellt, das wir tun, was uns gut tut. Das Problem dabei: Dadurch, dass unser Glück abhängig ist von unserer Urteilskraft, also dem ständigen Vergleichen, muss tatsächlich erst etwas Neues, etwas Unvorhergesehenes passieren, das wir als positiv bewerten, bevor die Glückshormone sprudeln. Dass wir in unserem täglichen Leben nicht ständig mit solchen Dingen bombardiert werden, dürfte jedem klar sein. Doch nur dadurch, dass wir andauernd auf der Suche nach dem nächsten Glückskick sind, können wir letztlich all die Dinge lernen, die gut für uns sind und – ursprünglich gesprochen – unser Überleben sichern.


Der eigene Blick auf die Dinge


Wie wir die Dinge bewerten und welche Vergleiche wir ziehen ist allerdings ganz allein unsere Sache. Von daher möchte ich an dieser Stelle mit einem altbewährten und auch in diesem Zusammenhang sehr passenden Sprichwort schließen: „Jeder ist seines Glückes eigener Schmied.“

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